Pellwormer Strom

 

 Pellwormer Strom - wie geht’s weiter

 

Vor allem zwei Ziele hat sich der Verein „Watt und Mehr“ mit der Aktion „Pellwormer Strom für Pellwormer“ gesetzt. Zum einen sollten möglichst viele - wenn nicht alle- Pellwormer die Möglichkeit bekommen, sich direkt mit auf Pellworm umweltfreundlich erzeugtem Strom zu versorgen. Zum anderen sollten nach Möglichkeit auch alle einen finanziellen Vorteil daraus ziehen, wenn Pellwormer Strom etwa günstiger als zu den gegenwärtigen Standard-Tarifen angeboten werden könnte.

 

In einem ersten Schritt wurde dazu im Juni zunächst das Interesse an „Pellwormer Strom“ ermittelt. Mit einer Umfrage per Postwurfsendung wurden alle Haushalte auf Pellworm angeschrieben. Die Beteiligung war überwältigend. Gut 150 Pellwormer haben den Fragebogen zurückgegeben und würden gerne Ihre Haushalt mit Inselstrom versorgen. Interesse wurde bisher für Stromlieferungen in Höhe von 1.300 MWh angegeben.

 

Was auf den ersten Blick so einfach erscheint, sich auf Pellworm mit hier erzeugtem Strom zu versorgen, ist bei näherem Hinsehen eine komplizierte Angelegenheit. Auf der einen Seite wird auf Pellworm mehr als 3 mal so viel Strom erzeugt wie verbraucht wird, auf der anderen Seite steht aber wetterbedingt diese Energie nicht immer zu Verfügung. Es muss also ein Weg gefunden werden, nur zu ganz geringen Mengen Strom für Flautenzeiten und bei fehlendem Sonnenschein Strom vom Festland hinzuzukaufen. 

 

Fachleute der eon haben hierzu Berechnungen angestellt. Das Ergebnis ist überraschend. Selbst wenn ausschließlich auf Pellworm erzeugter Strom bezogen würde, wären wir in der Lage, uns zu 98 bis 99 % mit eigenem Strom zu versorgen.

 

Eine weitestgehende Selbstversorgung mit geringer Unterstützung vom Festland wäre also machbar. Dies gilt sowohl, wenn auf der Insel ausschließlich Pellwormer Strom verbraucht würde und erst Recht für die Haushalte, die jetzt schon ihr Interesse angemeldet haben.

 

Etwas komplizierter wird es, wenn es um den Strompreis geht. Dazu muss man sich zunächst einmal anschauen, aus wie vielen Einzelposten sich unser Strompreis eigentlich zusammensetzt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aus dem Diagramm ist rasch zu erkennen, dass mehr als die Hälfte des Preises aus Steuern und gesetzlich festgeschriebene Umlagen besteht. Es gibt also nur wenig Möglichkeiten, den Preis für den Verbraucher günstiger zu gestalten. Der Strompreis selbst wird an der Strompreis-Börse EEX ermittelt, da liegen die Kosten pro kWh bei ca. 3,8 Cent, sie können aber sogar auch mal negativ sein, wenn das Angebot zu groß ist.  Die Kosten für die Verteilung und den Vertrieb verstecken sich den 23,17% Kostenanteil für die Netznutzung. Nur an diesen beiden Positionen existieren derzeit Stellschrauben für den Strompreis. Die Gemeinde hat sich ja mit der Konzessionsabgabe an die eon gebunden, so dass hier kein Spielraum mehr besteht.

 

Es kommt noch ein weiteres hinzu. Wir alle wissen, dass der auf Pellworm erzeugte Strom umweltfreundlich erzeugt wird und also eigentlich „grün“ sein müsste. Er ist es auch, darf aber nicht als solcher angeboten und verkauft werden.  Da die Stromproduktion über die EEG Umlage bzw. eine „Marktprämie“ gefördert wird, wird dem erzeugten Strom das Gütesiegel „grün“ entzogen und der Strom wird zu normalem „grauen“ Strom. Wollte man ihn als „grünen“ Strom vermarkten, würden zusätzliche Kosten für den Erwerb von sog. Grünzertifikaten entstehen.


Alles recht kompliziert und schwieriger, als man es sich vielleicht auf den ersten Blick vorstellt. Watt und Mehr bleibt jedoch optimistisch.

 

Anfang Juli wurden die ersten Gespräch mit eon geführt und wir erwarten in Kürze ein konkretes Angebot mit Angabe eines möglichen Strompreises. Seitens eon war sogar so optimistisch, schon Anfang nächsten Jahres eine Marke „Pellworm Strom“ anbieten zu können. Letztlich wird aber der angebotene Preis entscheidend sein.

 

Unabhängig davon wird der Verein gemeinsam mit der Energie AG in der nächsten Zeit Gespräche mit anderen Anbietern über eine mögliche Kooperation führen. Es steht also noch einiges an Arbeit an, über die weitere Entwicklung wird der Verein alle Pellwormer auf dem Laufenden halten.